Filmforum Archiv
Deutschland in den frühen Sechzigern. Noch ist das Land ruhig. Doch Aufbruch liegt in der Luft. Auch Bernward Vesper (August Diehl), Sohn des NS-Schriftstellers Will Vesper, begehrt auf. Nachts hackt er wütende Sätze in die Schreibmaschine, die er der erstarrten Gesellschaft ins Gesicht schleudern will. Als er auf Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) trifft, ist das der Beginn einer extremen Liebesgeschichte: bedingungslos, maßlos, bis über die Schmerzgrenze hinaus. Gemeinsam brechen sie auf, um die Welt zu erobern. Keine zehn Jahre später verliert sich Bernward auf Drogentrips im Wahnsinn, und Gudrun katapultiert sich in den bewaffneten Untergrund. Für beide wird es kein Zurück mehr geben.
„Eine Vorgeschichte zum deutschen Terrorismus, wie sie sie in derart biografischer Eindringlichkeit noch nicht erzählt wurde und noch dazu ein spannendes Lehrstück zur Identitätssuche junger Deutscher nach dem Krieg.“ Süddeutsche Zeitung
„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ (Roger Willemsen)
Wer wir waren ist ein intensives Treffen mit sechs bedeutenden DenkerInnen und WissenschaftlerInnen unserer Zeit: Alexander Gerst (Astronaut), Dennis Snower (Ökonom), Matthieu Ricard (Molekularbiologe und Mönch), Sylvia Earle (Ozeanologin), Felwine Sarr (Ökonom, Soziologe und Philosoph) und Janina Loh (Philosophin und kritische Posthumanistin).
Schriftsteller, Denker und Moderator Roger Willemsen (1955-2016) arbeitete bis kurz vor seinem Tod an einem neuem Buch. Es sollte Wer wir waren heißen und unsere Gegenwart betrachten – aus der Zukunft. Als Roger Willemsen im Sommer 2015 krank wurde, musste er die Arbeit an seinem Text einstellen. Zentrale Gedanken davon aber stecken in einer mitreißenden „Zukunftsrede“, die zu seinem letzten öffentlichen Auftritt wurde. Sie ist der leidenschaftliche Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.
In Kooperation mit der bodensee akademie
Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt Werk ohne Autor über drei Epochen deutscher Geschichte: von dem dramatischen Leben des Künstlers Kurt, seiner leidenschaftlichen Liebe zu Elisabeth und dem folgenschweren Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Schwiegervater Professor Seeband, dessen wahre Schuld an den verhängnisvollen Ereignissen in Kurts Leben letztlich in seiner Kunst und seinen Bildern ans Licht kommt. (film.at)
Der Film ist angelehnt an das Leben des Malers Gerhard Richter. Antje Harries vom Format kinokinobezeichnete Werk ohne Autor als einen grandiosen Film. Sie führte aus: „Mit drei Stunden ein epischer Film, der aber keine Minute langweilt. Ein Panorama deutscher Geschichte in Kunst gebannt." Allerdings wird der Film sehr kontrovers diskutiert.
„Ein mitreißendes Werk” (Spiegel Online)
In Deutschland erhielt Sebastian Koch für seine Rolle den Bambi in der Kategorie Bester Schauspieler national. 2019 wurde der Film für den Oscar in den Kategorien Bester fremdsprachiger Film und Beste Kamera nominiert.
Bulgarien nahe der griechischen Grenze: Eine Gruppe deutscher Bauarbeiter kommt im Niemandsland an, um ein Kraftwerk zu bauen, für das ein Fluss umgeleitet werden muss. Die Männer um Vorarbeiter Vincent können weder Englisch noch Bulgarisch. Einer von den Neuankömmlingen ist Meinhard, der wie seine Kollegen in einer frisch errichteten Bauarbeitersiedlung wohnt. Die Arbeiten am Wasserkraftwerk dauern länger als geplant, weil der Nachschub fehlt – das Wasser reicht nicht mal, um genug Beton anzurühren. Meinhard, der in den Bergen ein Pferd gefunden hat, ist ein bisschen anders als die anderen: Während die keinen Kontakt zu den Bulgaren wollen, reitet er ins Dorf, wo er Einheimische kennenlernt. Der örtliche Steinbaron Adrian und Meinhard freunden sich langsam an, obwohl sie die Sprache des anderen kaum verstehen… Aber bald schon findet sich der schweigsame Ex-Soldat Meinhard zwischen den Fronten wieder.
Valeska Grisebach, deren letzter Spielfilm Sehnsucht2006 in die Kinos kam, meldet sich mit einem modernen Western zurück, der den Frontier-Mythos an die bulgarisch-griechische Grenze verlegt und bekannte Erzählmuster des Genres in die Moderne transportiert – aus Cowboys werden Bauarbeiter, aus Indianern die Bulgaren aus dem Nachbardorf. So taucht der Film wie nebenbei in die Entwicklungspolitik der Europäischen Union ab, während er kulturelle Missverständnisse offen zur Schau stellt.
Eigentlich hat sie ja gar keine Lust. Wozu soll das bloß gut sein? Langweilig ist das! So geht es los in Lorna Tuckers Dokumentarfilm „Westwood“, der sich mit der britischen Punk-Ikone, Modedesignerin und Umweltaktivistin Vivienne Westwood befasst. Die Porträtierte (Jahrgang 1941) sitzt in einem grauen Samtsessel, der farblich perfekt zu ihrem dunkelgrünen Kleid und ihren weißblonden Haaren passt, und bringt ihre Entnervung zum Ausdruck. Sie will nicht über die Stationen ihrer Vergangenheit reden – aber sie tut es dann trotzdem.
Tuckers Entscheidung, den vehementen Widerstand und Unwillen ihrer titelgebenden Protagonistin nicht auszublenden, sondern ihn dramaturgisch zu nutzen, erweist sich als richtig, da so von Anfang an deutlich wird, dass sich eine Persönlichkeit wie Westwood nicht in das Schema eines brav nacherzählenden biografischen Dokumentarfilms pressen lässt. Eine in sentimentalem Ton „von früher“ berichtende Westwood, die stolz ihre Kämpfe und Errungenschaften schildert? Kaum vorstellbar. (Andreas Köhnemann. www.kino-zeit.de)
„Eine herrlich exzentrische, einzigartige Person und ein Mode-Original.“ (The Guardian)
In Kooperation mit Kunst Vorarlberg, aha, Mädchenzentrum Amazone und dem Jugendservice Bregenz
Der bittertraurig schöne Film nimmt uns mit in die karge Landschaft Georgiens. In einem Dorf am Schwarzen Meer spielen sich Dramen ab, innere wie äußere; streng kadrierte Bilder übersetzen uns die Gefühlslage der DorfbewohnerInnen. Eliko, „der Fremde“, hat sich erhängt. Seine Sexualität zwang ihn zu einem Leben im Verborgenen, die Intoleranz im Dorf führte zu einem komplizierten Netz aus Lügen und Verrat. Elikos Enkelin Moe und Fleshka – auch sie „Fremde“ – trotzen den Diskriminierungen der Männerwelt. Ein Film wie ein kathartischer Schrei, der den Ausgestoßenen eines ländlichen Patriarchats Stimme verleiht. (Maria Marchetta, Viennale)
„Der Film porträtiert einfache, eigensinnige Menschen. Kein Grashalm kann im Ort gebogen werden, ohne dass es nicht zu Dorftratsch, Gerüchten oder gar schlimmeren Konsequenzen kommt. Es braucht Zeit, um sich auf den langsamen Film einzulassen, die stoische Ruhe auszuhalten. Dann nämlich erhält man eine schöne Geschichte um sexuelle Emanzipation und Offenheit im Konflikt mit alteingesessenen Haltungen.“ (outnow.ch)
„Einer der stärksten Liebesfilme der Viennale 2021. “
Locarno Filmfestival 2021, Filmmakers of the Present – Best Actor
Das lange Zeit abgeschottete Land Bhutan will seine Infrastruktur entwickeln und sich dem Westen öffnen, ohne dem Materialismus zu erliegen. Als Gradmesser der Entwicklung gilt „Gross National Happiness“, das Brutto-Nationalglück. In einem weltweit einzigartigen Projekt sind Beamte des Ministeriums für Glück acht Monate lang unterwegs, um anhand eines Fragebogens das Glück im Land zu ermitteln. Ein Roadmovie zum fernsten aller Ziele, dem Glück.
Harald Friedl, Filmemacher, Schriftsteller und Musiker, zeigte 2006 seine dokumentarische Zeitreise Aus der Zeit in den Kinos. Sein neuer Kinofilm What Happiness Is gibt Einblick in ein Land, das bisher für Filmaufnahmen weitgehend geschlossen war.
Auf der Suche nach dem Glück
AT 2012 | 87 min | R: Harald Friedl
Das lange Zeit abgeschottete Land Bhutan will sich der Welt öffnen, ohne dem Materialismus zu erliegen. Es will sich modernisieren, ohne seine Seele zu verkaufen. Maßstab für die Entwicklung ist „Gross National Happiness“, das Brutto-Nationalglück.
In einem weltweit einzigartigen Projekt sind Beamte und Beamtinnen des Ministeriums für Glück acht Monate lang unterwegs, um mit dicken Fragebögen das Glück im Land zu ermitteln. Ein Roadmovie zum fernsten aller Ziele, dem Glück.
Harald Friedl, Filmemacher, Schriftsteller und Musiker, zeigte 2006 seine dokumentarische Zeitreise Aus der Zeitin den Kinos. Sein neuer Kinofilm What Happiness Isgibt Einblick in ein Land, das Filmemachern weitgehend unzugänglich war.
Eine Zusammenarbeit mit Projekte der Hoffnung
Der Film What is Love ist ein Portrait von Leben, ein Portrait von Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Er stellt die Frage nach dem Sinn und wie man die Zeit ausfüllt zwischen Geburt und Tod, die Frage nach dem Glück. In dokumentarischen Miniaturen werden unterschiedliche Protagonisten einer Generation portraitiert: von der Waldbesitzerfamilie im großzügigen Anwesen bis zur Fabrikarbeiterin in ihrer täglichen Routine.
Was macht glücklich und wie erreicht und hält man dieses "Glück"? Wie füllt man die Zeit zwischen Geburt und Tod? Für welchen Lebensentwurf entscheidet man sich, und ist er der für einen richtige? Ohne große Worte konfrontiert Ruth Mader ihr Publikum mit großen, gewichtigen Fragen: Mit der Frage nach Sinn, nach Glück.
In fünf Lebenswelten darf die Regisseurin verweilen, den Alltag von vielen Protagonisten beobachten – die eigentliche Hauptrolle ihres Dokumentarfilms spielt allerdings das Leben selbst. So fängt Mader scheinbar Alltägliches ein, aus dem sich ein Eindruck davon schält, was das Leben ausmacht: Liebe – in all ihren Facetten.
Berlinale 2012 – Forum
Meiko realisiert während einer Taxifahrt, dass der Mann, von dem ihre Freundin schwärmt, ausgerechnet ihr Ex-Freund ist. Nao will sich an einem Professor rächen, weil er ihren Freund durch seine Abschlussprüfung fallen ließ. Aya und Natsuko waren Klassenkameradinnen und laufen sich 20 Jahre später zufällig über den Weg. In drei Episoden sprechen die Frauen und Männer von der Liebe, die sie geträumt, erhofft, für Augenblicke sogar erfahren, und verloren haben. Sie alle eint der Zufall – oder das Schicksal?
Waren die Vorgänger "Happy Hour" und "Asako I & II" literarisch gesprochen eher Romane, so erinnert Ryusuke Hamaguchis neuer Film "Wheel Of Fortune And Fantasy" an die meisterhaften Storys von Haruki Murakami, wenn er charmant, vergnüglich und trotzdem messerscharf von einer amourösen Dreieckskonstellation, einer missglückten Verführung und einer innigen Begegnung, die sich einem Missverständnis verdankt, erzählt.
"Wheel Of Fortune And Fantasy" erkundet unsere abgründigen Begierden und rätselhaften Träume und eröffnet scheinbar fremde Universen, die seltsam vertraut erscheinen. Ein Film über Liebes- und Machtverhältnisse, über Entscheidungen, Reue und Täuschung – und die Unvorhersehbarkeit der Welt.
“Ein intensiver, beeindruckender Film” (filmstarts.de)
„Ryusuke Hamaguchi erzählt in Wheel of Fortune and Fantasy von der Magie, die in den Dramaturgien des Lebens stecken, feiert den Zufall und die Sinnlichkeit des Sprechens.“ (critic.de)
Berlinale 2021, Silberner Bär – Großer Preis der Jury
Chicago International Film Festival – Silver Q-Hugo
Haifa International Film Festival – Carmel Award
England, Ende der 1050er-Jahre. Rosemarie, Tochter eines österreichischen Emigranten, verbringt ihr Leben zwischen Tanzcafés und einem unbefriedigenden Job. Die Begegnung mit Anton, einem Freund ihres Vaters aus Wiener Tagen, ändert plötzlich alles.
Aus einem Lebensgefühl zwischen Tristesse und Aufbruch heraus erzählt der Film vom Identitätskonflikt der zweiten Generation von Emigrantenkindern und erinnert in einem Heute, wo Flucht und Exil so sehr die gesellschaftliche Realität bestimmen, an eine Epoche, als Österreich ein Land war, das seine Menschen in die Emigration zwang.
Eine Frau geht ihren Weg: Das kongeniale (und souverän zweisprachige!) Zusammenspiel der drei großartigen Hauptdarsteller verleiht Fritz Urschitz' Spielfilm-Debüt, das vor historischem Kontext eine sehr zeitlose Geschichte um Entwurzelung und Identität erzählt, dramatische Tiefe. Und es ist sicher nicht gewagt, wenn wir behaupten: Von Natalie Press werden wir in Zukunft noch einiges hören bzw. sehen. (skip.at)
Während des Zweiten Weltkriegs schrieb Anne Frank in ihrem Tagebuch an ihre imaginäre Freundin Kitty. 75 Jahre später erwacht diese auf magische Weise zum Leben. Verwirrt macht sich die 13-Jährige mit dem Tagebuch in der Hand im heutigen Amsterdam auf die Suche nach Anne, wird aber für ihre Recherche nur ausgelacht. Der Einzige, der ihr hilft, ist der Taschendieb Peter. Durch ihn erfährt Kitty, wie Migranten im Land ausgegrenzt werden oder in Lagern auf eine Abschiebung warten müssen. Sie ist entsetzt und heckt einen Plan aus, um den Menschen zu helfen.
Regisseur Ari Folman erweckt in diesem genauso originellen wie grandios gestalteten Animationsfilm die Geschichte von Anne Frank neu zum Leben und erinnert, dass ihre Botschaft auch in der heutigen Flüchtlingskrise nicht an Aktualität eingebüßt hat.
(Zürich Film Festival 2021)
Einführung in den Film durch Hanno Löwy, Direktor des Jüdischen Museums Hohenems.
Nominiert für den europäischen Filmpreis | Luxembourg City Film Festival: Preis der Schülerjury | Silk Road Film Festival: Bester Animationsfilm
Wir zeigen den Film in Kooperation mit dem Jüdischen Museum














































































