Filmforum Archiv
Was können Länder – insbesondere die verunsicherten USA – von andern Ländern lernen? Michael Moore will es genau wissen und marschiert als Ein-Mann-Armee in Europa und Tunesien ein. Wo immer er seine US-Flagge in fremden Boden rammt, will er keine Territorien und Ölfelder erobern, sondern gute Ideen. Und zwar solche, mit denen Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien gute Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Bürger geschaffen haben. Egal ob faire Löhne oder gesundes Schulessen, kostenlose Bildung oder menschenwürdige Gefängnisse. Michael Moore klaut alles, was er kriegen kann. Denn Europa hat Lösungen für viele Probleme, an denen die amerikanische Gesellschaft seit Jahren krankt. Je länger Michael Moore staunend durch Europa reist, umso klarer wird ihm: Der amerikanische Traum lebt! Wenn auch nur außerhalb der USA. Und so wird Michael Moores jüngster Doku-Streich Where To Invade Next zu einer augenzwinkernden Liebeserklärung an Europa. (film.at)
Älterwerden ist nichts für Feiglinge. Als ein gut situiertes New Yorker Künstlerehepaar ein junges Hipster-Pärchen kennenlernt, stellen beide ihren bisherigen Alltag in Frage. Und auf einmal fühlen sich die Mittvierziger wieder wie Mitte Zwanzig, was bei ihren alten Freunden auch so manche Irritation auslöst.
Nach Greenbergübernahm Hollywood-Star Ben Stiller erneut die Hauptrolle in einem Film von Noah Baumbach (Frances Ha). Dieser beweist darin nicht nur eine gute Beobachtungsgabe, sondern auch ein Gespür für die tragikomischen Befindlichkeiten einer von Optimierungswahn und Selbstverwirklichung getriebenen Generation. Amüsante Seitenhiebe auf den Film- und Kunstbetrieb inklusive.
Noah Baumbach zeichnet ein Portrait der kreativen Klasse New Yorks, und dabei gelingt es ihm, die seltsame Logik der urbanen Kultur einzufangen: Während die Älteren sich mit iPads und Netflix anfreunden, sehnen sich die Jungen nach Vinyl-Schallplatten und VHS-Kassetten. (nach: www.programmkino.de; pathefilms.ch)
„Der lustigste Woody Allen Film seit Jahren ist von Noah Baumbach ...” (New York Post)
Der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó hat des Menschen besten Freund ins Zentrum seines neuen Films gerückt, der jenseits von Kitsch und Sentiment ergreifend und aufrüttelnd ist wie kaum ein anderer in den letzten Jahren. Ohne digitale Tricks und ohne seine animalischen Protagonisten zu vermenschlichen, zeigt er die Rache der oftmals geschundenen Straßenhunde. Vergleiche mit dem Science-Fiction-Klassiker Planet oft the Apes sind gerechtfertigt, auch wenn hier keine Menschen mittels Maske in Tiergestalt spielen, sondern die Vierbeiner unter Anleitung von erfahrenen Coaches selbst agieren. (Ray)
Underdogerzählt von einem gespenstischen Aufstand der Hunde – und von der ungarischen Gegenwart.
Cannes 2014: Hauptpreis in der Sektion Un Certain Regard
In drei Teilen zeigt Michael Glawogger den Huren-Alltag in drei verschiedenen Kulturkreisen: In einem "fish tank" genannten Bordell in Bangkok, Thailand, in der "Stadt der Freude" in Faridpur, Bangladesh, wo hunderte Frauen auf engstem Raum nicht nur ihre Freier befriedigen sondern auch ihr ganzes Leben meistern und in der "zona" in Reynosa, einem mit Schranken gesicherten Huren-Dorf in Mexico.
Die Hure, die Nutte, die Kurtisane, das Freudenmädchen, die Sexarbeiterin: Wenn das rote Licht angeht, haben wir alle schon die passenden Bilder im Kopf. Die Bilder von Whores’ Gloryaber sind neu, und sie zeigen eine Welt, die wir nicht kennen, zwischen überirdischer Schönheit und tiefstem menschlichen Elend, mit viel Respekt und ohne Moral.
Über vier Jahre lang arbeitete Glawogger an Whores’ Glory, einem Dokumentarfilm zum Thema Prostitution – ein großes und emotional komplex besetztes Thema, das keinen kalt lässt, zu dem jeder eine Meinung und von dem kaum jemand wirklich Ahnung hat.
Biennale Venedig 2011, Special Orizzonti Jurypreis
Kleine schmutzige Briefe
GB, FR 2023 | 101 min | OmU | R: Thea Sharrock
Die lebhafte Rose Gooding hat wenig mit der frommen Edith Swan gemeinsam, außer dass sie Nachbarinnen in der englischen Küstenstadt Littlehampton in den 1920er Jahren sind. Doch eines Tages erhalten Edith und andere in der Stadt anstößige Briefe, gespickt mit gemeinen Beschuldigungen in unflätiger Sprache, und der Verdacht fällt sofort auf Rose. Scotland Yard ermittelt und Rose droht sogar, das Sorgerecht für ihre Tochter zu verlieren. Während die skandalösen Briefe weiterhin die Stadt heimsuchen, ahnt nur die Polizistin Gladys Moss, dass etwas nicht stimmt und Rose möglicherweise doch nicht die Schuldige ist….
„Diese smarte britische Komödie mit sympathisch schrulligen Figuren überrascht bis zur letzten Minute mit einem frischen Konzept und einer spannenden Geschichte. Dabei zeigt der Film vor allem die verschiedensten Frauenschicksale nuanciert und mit viel Sorgfalt. Ein Film, der zum Lachen und Nachdenken animiert.“ (outnow.ch)
Die französische Provinz Champagne im frühen 19. Jahrhundert: Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin mit nur 27 Jahren die Leitung der familieneigenen Weinkellerei – ein gewagter Schritt zu einer Zeit, in der für Frauen kein Platz in der Geschäftswelt vorgesehen war. Mit Entschlossenheit und Leidenschaft manövriert die Witwe Clicquot das Unternehmen durch turbulente Zeiten, legt mit ihren Innovationen den Grundstein für die moderne Champagnerherstellung und avanciert mit dem exklusiven Schaumwein ihres Hauses zur „Grande Dame des Champagners“.
Dieses eindrucksvolle Frauenporträt, das auf dem New-York-Times-Bestseller der Kunsthistorikerin Tilar J. Mazzeo basiert, beleuchtet das Leben von Barbe-Nicole Clicquot Ponsardin, die als junge Witwe den Konventionen einer patriarchalischen Gesellschaft trotzte und zu einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen ihrer Zeit aufstieg. (polyfilm)
„ (...) ein vorfeministisches Historiendrama mit einer starken Frauenpersönlichkeit, sensibel gespielt von der sehr guten Haley Bennett als Heldin einer bittersüßen Liebesgeschichte (...) „ (filmstarts.de)
Toronto Film Festival 2023: Special Presentation
Medienpartner: Verein Amazone, Stadtbücherei Bregenz
Der Kinodokumentarfilm Wie die Anderen portraitiert den Arbeitsalltag einer Kinder- und Jugendpsychiatrie nahe Wien als permanenten Balanceakt zwischen Behutsamkeit und Druck, Routine und Improvisation. Prägnante Beobachtungen im Direct Cinema-Modus verdichten sich zur berührenden, beunruhigenden Befragung einer Institution und ihrer gesellschaftlichen Funktion: Welche Hilfe kann die Klinik in der kurzen Zeit leisten, bis die Kinder und Jugendlichen wieder in ihren Alltag zurückkehren?
Wulff hatte mit seinem Direct-Cinema-Ansatz des beobachtenden Kinos in seinem Film In die Welt die Arbeit einer Geburtsklinik dokumentiert. Man versteht, dass der Psychiater Paulus Hochgatterer, der als Autor bekannte Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Landesklinikum Tulln, von der Idee angetan war, dasselbe Konzept an der von ihm geleiteten Klinik umzusetzen. Als Signal der Öffnung, der Enttabuisierung, der Normalisierung.
Das Konzept geht ebenso beglückend wie bedrückend auf.
Steve ist seit fünf Jahren mit Carola zusammen, die beiden sind liebevoll und vertraut miteinander, ein gut eingespieltes Team. Aber dann muss Steve mit ansehen, wie sein Freund Bob aus heiterem Himmel von seiner Freundin verlassen wird, die sich dem gut erhaltenen, aber doch sehr viel älteren Tantra-Lehrer Harald zuwendet. Kleine, fiese Zweifel beginnen Steve umzutreiben: Ist Carola wirklich glücklich mit ihm? Widmen sie sich und ihrer Beziehung genügend Achtsamkeit? Steve, ohnehin angegriffen durch eine berufliche Situation, muss handeln. Selbstoptimierung heißt die neue Devise, körperlich, seelisch und sexuell – und da soll ausgerechnet Harald helfen. Carola erkennt ihren Liebsten nicht wieder. Beraten von ihrer besten Freundin Anette, die für Misstrauen plädiert, entschließt sie sich ihrerseits zu Veränderungen. Die Turbulenzen nehmen ihren Lauf …
Mit seiner Erfolgskomödie Wir sind die Neuen traf Ralf Westhoff 2014 genau den Nerv der Zuschauer, Wie gut ist deine Beziehung? knüpft nun thematisch an sein Debüt Shoppen an. Ging es damals um Singles auf Partnersuche, erzählt Ralf Westhoff in seinem neuen Film über die Herausforderungen einer langen Beziehung.
Den Kampf um einen Platz im Leben tritt Charlie mit dem Handicap an, dass Übersicht, Weitblick und taktisches Denken ebenso wenig zu seinen Eigenschaften gehören wie Elan, Durchsetzungsvermögen und Disziplin. Charlie ist, wie er aus einem Ratgeberbuch über Charaktertypen weiß, ein „Sitzer“.
Damit ist er insgeheim natürlich nicht zufrieden. In seinen Träumen ist er prominent, muskulös, intellektuell und vor allem: Ein grandioser Rocksänger. Natürlich würde er all das gerne auch in der Realität sein. Doch er weiß, dass Sitzer sich nicht nur mit Taten schwer tun, sondern bereits damit, etwas tun zu wollen. Durch das studentische Leben der späten 80er und frühen 90er lässt er sich treiben, womit er sich zunächst nicht von seinen Altersgenossen unterscheidet.
Der etwas eigenwillige Stil ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer sich davon überzeugen will, dass der österreichische Film noch Einiges zu bieten hat, der wird mit Wie man leben soll sicher bekehrt werden.(www.filmering.at)
Die junge Medizinstudentin Johanna (Hannah Herzsprung) will hoch hinaus: In Tibet möchte sie einen Achttausender bezwingen. Doch das Land ist riesig, die schneebedeckten Gipfel des Himalaya fast unüberwindbar, das Volk gespalten und die tibetische Kultur voller Geheimnisse. Auf einer ihrer Trekkingtouren macht Johanna eine furchtbare Entdeckung, die ihr Leben von Grund auf verändert und sie zwingt, sich auf die Abenteuer eines Landes einzulassen, auf die sie ganz und gar nicht vorbereitet ist...
Als kleiner, vertrauenswürdiger Dackel erhält man viele intime Einblicke in die unterschiedlichen Schicksale seiner wechselnden Herrchen. Für den kleinen Remi zum Beispiel wird die Liebe seiner bourgeoisen Eltern Dina und Danny einfach zu viel. Die unscheinbare Tierarztassistentin Dawn Wiener will hingegen ihrem Leben etwas mehr Pfeffer verleihen und lässt sich auf ein Abenteuer mit Bad Boy Brandon ein. Und dann gibt es noch den erfolglosen Drehbuchautor Dave, der vielleicht noch eine letzte Chance auf den ganz großen Durchbruch hat, und die in die Jahre gekommene Nana, die nur dann von ihrer Enkelin Zoe hört, wenn diese Geld braucht. So verschieden und schwer erträglich all ihre Leben sein mögen, finden sie doch alle Trost in demselben kleinen Dackel. (nach: filmstarts.de)
„Erstaunlich ist, wie Solondz in denkbar unschönen Dingen Poesie entdeckt. Als kontroverser Auteur ist Solondz weiterhin ein beachtenswerter Vertreter des Indie-Sektors.” (Andreas Köhnemann) (leokino.at)
„Todd Solondz, der Meister abgründiger Geschichten über Tollhäuser der Depression und Paranoia in den amerikanischen Vorstädten, liefert einen neuen Beweis bösartiger Komik – in Dackelformat.“
(epd-film)
Wilde Minzeerzählt die Geschichte einer Mutter-Tochterbeziehung über den Tod hinaus. In Graz werden am 23. Dezember 1944 nach einem Urteil des Volksgerichtshofs acht Todesurteile vollstreckt. Auch die Villacher Kommunistin und Widerstandskämpferin Maria Peskoller wird zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ihre Tochter, die damals knapp 16-jährige Helga, wird ebenfalls von der Gestapo verhaftet und verhört, entging aber einer Anklage. 65 Jahre danach geht sie auf eine schmerzhafte Zeit- und Erinnerungsreise.
"Sie hat mir ein Leben lang gefehlt", sagt Helga Emperger über den Verlust ihrer Mutter. Sie hat, so heißt es im Begleittext zum Film, zu den Bildern eine Sprache gefunden, gelernt, das Leben zu lieben.
Helga Emperger (Peskoller) wird an diesem Abend anwesend sein und ein Gespräch mit Werner Bundschuh (erinnern.at | Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft) führen.












































































