Filmforum Archiv
Lisa zieht aus der WG mit Mara aus, um künftig allein zu wohnen. An den beiden Umzugstagen und in der Nacht dazwischen geht vieles zu Bruch, anderes renkt sich ein. Der Wechsel von einer Bleibe in die andere und die Energie, die freigesetzt wird, wenn eine Geschichte endet und eine neue beginnt, versetzen das Figurenensemble in einen besonderen Aggregatzustand. Das Resultat ist eine Art Jam Session. „Als halte eine geheime Kraft die Dinge zusammen“, wie es einmal heißt. Dieser Magnetismus wird erzeugt durch die organische Art des Filmemachens der Brüder Zürcher. Motive und Figuren werden in rasantem Tempo montiert. Zwischen Bewegungen, Blicken, Geräuschen, Farben und Details herrscht ständige Spannung: Alle diese Elemente stützen sich gegenseitig wie die Karten in einem schwindelerregend hohen Kartenhaus.
Auf ein geniales Debüt folgt ein ebenso umwerfender zweiter Film. Die Schweizer Brüder Ramon und Silvan Zürcher entwickeln ihre unverwechselbare Regiehandschrift weiter, ohne ihre Eigenart zu verlieren, und so gelingt ihnen ein mitreißend-abgründiger Ensemblefilm. (filmstarts.de)
Berlinale Filmfestival 2021 - ENCOUNTERS Wettbewerb - Preis für die Beste Regie und FIPRESCI-Preis
Wadjda ist ein zehnjähriges Mädchen und lebt in Riad. Jeden Morgen wirft sie sehnsüchtige Blicke auf ein grünes Fahrrad, das in einem Spielzeuggeschäft angeboten wird. Doch Mädchen in Saudi-Arabien ist es untersagt, mit dem Rad zu fahren und ohnehin fehlt Wadjda das nötige Geld. Trotzdem will sie sich diesen Traum um jeden Preis erfüllen. Als ihr Plan, mit dem verbotenen Verkauf von selbstgemachten Mixtapes auf dem Pausenhof zu Geld zu kommen, auffliegt, droht ihr sogar der Verweis von der Schule. Einen letzten Trumpf hält sie aber noch in der Hand: Sie will den Koran-Rezitationswettbewerb gewinnen, der mit einem hohen Preisgeld dotiert ist. Ganz von ihrem Wunsch beseelt verschließt sie die Augen vor den Problemen ihrer Mutter: Wadjdas Vater steht kurz davor, sich eine weitere Ehefrau zu nehmen.
Das Mädchen Wadjdaist der erste Spielfilmder saudi-arabischenRegisseurin Haifaa Al Mansourund ist der erste abendfüllende Streifen von einer saudi-arabischen Regisseurin. Der Spielfilm gewann weltweit mehrere Filmpreise und galt bei den Filmfestspielen von Venedig 2012als kleine Sensation.
„Dass ausgerechnet ein Fahrrad im ölreichsten Land der Welt zum Symbol des Aufbruchs wird, ist eine Pointe zum Verlieben“. 3sat
Auf der Suche nach einem Schlafplatz streift das melancholische Mädchen (Marie Rathscheck) durch die Großstadt. Unterwegs begegnet sie jungen Müttern, die ihre Mutterschaft als religiöses Erweckungserlebnis feiern, findet Unterschlupf bei einem abstinenten Existenzialisten, für den Sex „auch nur noch ein Markt“ ist, und wartet in einer Drag Bar „auf das Ende des Kapitalismus“. Ihr Versuch, ein Buch zu schreiben, scheitert am ersten Satz des zweiten Kapitels, und sie findet keinen Platz zwischen Kunstgalerien, Yoga-Studios und den Betten fremder Männer. Statt sich zu bemühen hineinzupassen, fängt das Mädchen an, ihre Depression als Politikum zu betrachten... Eine Forschungsreise in 15 komischen Begegnungen durch unsere post-moderne Gesellschaft zwischen Prekarisierung und Self Marketing, serieller Monogamie und Neo-Spiritualität, Ernüchterung und Glückszwang. (stadtkino.at)
Heinrichs Debütfilm wurde als wahres Filmwunder, das aus dem budgetären Nichts entstanden war, auf zahlreiche Festivals eingeladen und konnte in Saarbrücken regelrecht abräumen: neben einer Nominierung für Marie Rathscheck erhielt Heinrich den Max Ophüls Preis in der Kategorie „Bester Spielfilm“ und den Preis der Ökumenischen Jury. (leokino.at)
Max Ophüls Preis: Bester Spielfilm
In Kooperation mit Kollektiv – Verein zurFörderung und Vernetzungunabhängiger Kunst-und Kulturschaffender | Verein Amazone
In seinem Film melden sich die Täter von damals aus dem Grab mit schonungsloser Offenheit zu Wort. Wir hören ihre Gedanken aus Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Gerichtsprotokollen, sehen in junge Gesichter, Projektionsflächen für Assoziationen und Erkenntnisse. Schauspieler wie Devid Striesow und Alexander Fehling geben den Soldaten von damals eine Stimme. Ergänzt mit den Aussagen renommierter Forscher wie Père Desbois, Christopher Browning oder Robert Jay Lifton und den Ergebnissen psychologischer Experimente führt der Film hin zu „dem radikal Bösen“, einer Blaupause des Genozid.
Im Anschluss an die Mittwoch-Vorstellung gibt es ein Publikums-gespräch mit Werner Bundschuh (erinnern.at / Obmann der Johann-August-Malin-Gesellschaft). Die Veranstaltung in der Reihe METRO DISPUT erfolgt in Zusammenarbeit mit erinnern.at, Johann-August-Malin-Gesellschaft, Acus, Renner-Institut, die Grüne Bildungswerkstatt und Jüdisches Museum Hohenems.
1956: Bei einem Kinobesuch in Westberlin sehen die Abiturienten Theo und Kurt in der Wochenschau dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Zurück in Stalinstadt entsteht spontan die Idee, im Unterricht eine solidarische Schweigeminute für die Opfer des Aufstands abzuhalten. Doch die Geste zieht viel weitere Kreise als erwartet: Zwar versucht ihr Rektor zunächst, das Ganze als Jugendlaune abzutun, aber trotzdem geraten die Schüler in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Der Volksbildungsminister verurteilt die Aktion als eindeutig konterrevolutionären Akt und verlangt von den Schülern, innerhalb einer Woche den Rädelsführer zu benennen. Doch die Schüler halten zusammen und werden damit vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben für immer verändert… (film.at)
„Das schweigende Klassenzimmerbeweist Lars Kraume wie intensiv und dramatisch man die jüngere Geschichte im Kino aufarbeiten kann. Herausragend!“ (filmstarts.de)
Bayrischer Filmpreis 2018, Nachwuchsschauspielerpreis
4 Nominierungen für den deutschen Filmpreis
20 Millionen Fremde besuchten die Stadt im letzten Jahr, das sind durchschnittlich 60.000 am Tag, und in diesem Jahr werden es wieder mehr sein. Ihnen stehen inzwischen noch 58.000 Einwohner entgegen, so viele wie zuletzt nach der großen Pest von 1438. Und nächstes Jahr werden es wieder weniger sein. Denn die Stadt wird unbewohnbar. Das urbane Eigenleben Venedigs ist beinahe zusammengebrochen, es existiert kaum noch. Der Film zeigt, was vom venezianischen Leben übrig geblieben ist: eine Subkultur touristischer Dienstleister; ein Hafen für die monströsen Kreuzfahrtschiffe, der auf seine Erweiterung wartet; Venezianer, die auf das Festland ziehen, weil es keine bezahlbaren Wohnungen mehr gibt; eine alte Adlige, die die Stadtverwaltung mit Hohn überzieht; ein Immobilienmakler, der darüber nachdenkt, das sinkende Schiff zu verlassen.
Ein Requiem auf eine immer noch grandiose Stadt.
CinemAmbiente in Turin 2013: Auszeichnung als bester italienischer Dokumentarfilm
Von der Weltöffentlichkeit unbemerkt, spielt sich im August 1950 auf der Südtiroler Hochebene des Reschenpasses eine Tragödie ab. Fast über Nacht wird das idyllisch gelegene Dorf Graun durch ein von staatlicher Willkür und Profitdenken geprägtes Stauseeprojekt vollständig unter Wasser gesetzt. Ohnmächtig müssen die Bewohner mit ansehen, wie ihre Häuser gesprengt werden und alle Äcker, Wiesen und Felder im Stausee versinken. Nur mehr der Kirchturm von Alt-Graun ragt, einem Mahnmahl gleich, aus der Wasserwüste. Heute, 65 Jahre später, steht das neue Graun malerisch über dem Seeufer. Trotz der Postkartenidylle wollen die Wunden der Alten nur langsam heilen.
Oft fließen Tränen, wenn sie vom alten Dorf erzählen, und nie würden sie mit der Hubertus, dem Ausflugsschiff, „über ihre alte Heimat” fahren, wie es der vertriebene Grauner Alois Messmer im weit entfernten Nonstal auf den Punkt bringt. Doch mit der jungen Generation, die die Seestauung nur mehr aus den Erzählungen der Großeltern kennt, bricht am See eine neue Zeit an. Am Ufer des Stausees aufgewachsen, nutzen die Jungen den Reschensee als Erholungsraum, Tourismuskapital oder als Abenteuerspielplatz. (aus: dasversunkenedorf.com)
Wir zeigen den Film in Anwesenheit des Produzenten Hansjörg Stecher. Er steht nach dem Film für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.
In Kooperation mit dem Verband der Südtiroler in Vorarlberg, Bezirksstelle Bregenz
Der Geschmack von Rost und Knochen
FR, BE 2012 | 120 min | OmU | Regie: Jacques Audiard
Alles beginnt im Norden von Frankreich. Plötzlich muss sich Ali um einen fünf Jahre alten Jungen kümmern. Sam ist sein Sohn, doch er kennt ihn kaum. Mittellos und ohne Freunde sucht Ali Zuflucht bei seiner Schwester Anna an der Côte d‘Azur. Bei einer Schlägerei in einem Nachtclub trifft Ali das erste Mal auf Stéphanie, die im Marineland Killerwale trainiert. Als eine ihrer Shows in einer Tragödie endet, bringt sie ein nächtlicher Anruf erneut zusammen.
Gleichzeitig kraftvoll und sensibel erzählt der Film, der 2012 in Cannes begeisterte Kritiken erhielt, von den Extremen der menschlichen Existenz. Bereits mit seinem viel beachteten Film Un Prophet (2009) profilierte sich Regisseur Jacques Audiard als Spezialist für eine besondere Art von Antihelden. In großartigen Bildern schildert sein neuer Film eine Liebesgeschichte voller Licht und Schatten, Rückschlägen und Chancen. Zwei vom Leben schwer verletzte Menschen bilden eine Schicksalsgemeinschaft und bewegen sich langsam aus ihrer Isolation.
„Selten wurde im Kino mit so brutaler Schönheit gezeigt, wie zwei Menschen das Lieben lernen.“ (Die Zeit)
Filmfestival London 2012: Bester Film
Open Air, Alte Fähre, Hafen Lochau
CH 2012 | 95 min | R: Walter Feistle
Beim großen Straßenwettrennen der Fahrradkuriere Zürichs sind sie die Allerhinterletzten, die Dead Fucking Last. Damals, 25 Jahre vorher, waren sie die ersten gewesen, die Pioniere, die das Velokuriergeschäft nach Zürich brachten – und zwar nicht als Business, sondern als kooperative, solidarische Genossenschaft. Tom, Andi und Ritzel entstammen der anarchistischen Punkszene der 1980er, und diesen Geist wollen sie mit ihrer Velokurier-Genossenschaft in die Jetztzeit retten – auch wenn es keinen außer ihnen mehr interessiert. Nun droht Konkurrenz für ihren Kurierdienst: die Girl Messengers setzen nicht nur auf schnelle und hübsche Fahrerinnen, sondern auch auf Image und Marketing – was den drei Genossenschaftsgründern nicht nur fremd, sondern auch feind ist. (dfl-film.ch)
Der CycleCinemaClub ist ein Open Air Kino der nachhaltigen Art: Der Strom für die Filmvorführung wird – fernab von jeder Steckdose – mit Hilfe von Stromgeneratorrädern erzeugt. Ein engagiertes und tretfreudiges Publikum ist also die Voraussetzung für den Kinobetrieb! Der Eintritt für dieses Vergnügen ist frei und kostet höchstens ein paar Schweißtropfen. Frei nach dem Motto D.I.Y. erzeugt das Publikum nicht nur den Strom für die Vorführung selbst, sondern bringt auch Decken, Kissen & Verpflegung selber mit!
Mit 40 Jahren wird der Fotoreporter Stéphane Haskell von einer rasend schnell fortschreitenden Krankheit heimgesucht, in deren Folge er vom Rücken abwärts gelähmt ist. Während ihm die konservative Medizin eine lebenslange Behinderung prophezeit, eröffnet ihm Yoga einen Weg zur Heilung.
Nach diesem Erlebnis macht sich Haskell auf eine Weltreise und trifft yogapraktizierende AIDS-Patienten in afrikanischen Gefängnissen und an Multipler Sklerose Erkrankte in Kalifornien, die durch Yoga wieder aktiv zum Leben gefunden haben. Eine berührende Reise, die vom Todestrakt in San Francisco in den größten afrikanischen Slum, zu Massai-Kriegern und einem Treffen mit dem großen Hindu-Meister B. K. S. Iyengar führt.
In Kooperation mit: see.yoga - Susanne Menke, YOGA - Annemarie Burtscher
Mariahilf-Park, bei Regen im Kesselhaus
US, ES 2010 | 121 min | dt. Fassung | R: Emilio Estevez
Der Augenarzt Tom Avery (Martin Sheen) reist nach Frankreich, um den Leichnam seines Sohnes Daniel (Emilio Estevez), der bei einem Sturm in den Pyrenäen umkam, zurückzuholen. Avery äschert die Überreste seines Sprosses ein, packt diese in dessen Rucksack und folgt damit den letzten Spuren seines Sohnes. Ganz anders als sein bodenständiger Vater, war Daniel ein rastloser Abenteurer, der die ganze Welt bereiste. Um seinem Sohn die letzte Ehre zu erweisen beschließt Tom den berühmten Jakobsweg entlang zu pilgern und dort die Asche seines verstorbenen Sohnes zu verteilen. Auf seiner Reise, die er alleine beginnt, lernt er schnell viele Leute aus den verschiedensten Ländern der Welt mitsamt ihren unkonventionellen Lebenseinstellungen kennen. Während er, begleitet von den schmerzhaften Erinnerungen an seinen geliebten Sohn, den Pilgerpfad entlang wandert, beginnt er Stück für Stück an seiner
biederen Lebenseinstellung zu zweifeln.
Eintritt frei! Gerne könnt ihr eine bequeme Sitzgelegenheit mitbringen. Bierbänke sind vorhanden. Für Bewirtung ist gesorgt
Eine Veranstaltung des Stadtteilbüros Mariahilf
Veysel ist in der Zwickmühle: Vor wenigen Monaten mit seiner Familie aus der Türkei nach Wien geflüchtet, muss der Zwölfjährige – halb Kurde, halb Türke – nun in der Schule ein deutsches Gedicht vor der Klasse vortragen. Das wäre die Chance, seine große Liebe Ana zu beeindrucken – doch Veysel spricht kein Wort Deutsch. Zu Hause wird Yeysel von Konflikten förmlich erdrückt: Nachdem sein Vater als kurdischer Freiheitskämpfer jahrelang in den türkischen Bergen verbracht und dafür seine Familie vernachlässigt hat, läuft der ältere Bruder Mazlum weg und hinterlässt verzweifelte Eltern.
Von den alltäglichen Problemen einer Flüchtlingsfamilie in Wien und der ersten großen Liebe eines Zwölfjährigen erzählt Hüseyin Tabak in seinem Erstlingsfilm Deine Schönheit ist nichts wert. Fast ausschließlich in türkischer Sprache gedreht, wurde Tabaks Abschlussfilm der Filmakademie Wien bereits mit sechs türkischen Filmpreisen ausgezeichnet!












































































