Filmforum Archiv
Ayse feiert Hochzeit. Fast alle Bewohner ihres türkischen Dorfes glauben, dass sie mit dem nur wenige Jahre älteren Hasan verheiratet worden ist. Tatsächlich aber wird sie als Zweitfrau für dessen Vater Mustafa nach Wien geholt. In Österreich angekommen, begegnet ihr die neue Familie mit unterschiedlichen Gefühlen. Mustafas Kinder, die zum Teil älter sind als Ayse, lehnen das Mädchen zunächst ab. Nur die schwer an Krebs erkrankte Fatma, Mustafas langjährige Ehefrau, freut sich aufrichtig – weiß sie doch ihren Mann, dem sie nach muslimischer Tradition treu und ergeben zur Seite steht, in den Händen einer guten Nachfolgerin. Zwischen den zwei sehr unterschiedlichen Frauen entwickelt sich eine besondere Beziehung, die allerdings schon bald auf eine schwere Probe gestellt wird.
Mit sensiblem Gespür für den komplizierten Mikrokosmos einer in Wien lebenden türkischen Familie fragt Umut Dag nach dem Verhältnis von Tradition und Moderne, Loyalität und Freiheit und scheut dabei große Emotionen nicht. (filmladen)
Berlinale 2012, Eröffnungsfilm im Panorama
Die Supermarktkassiererin Ansa verliert ihren Job, weil sie dabei ertappt worden ist, abgelaufene Produkte mit nach Hause zu nehmen, anstatt diese wie vorgeschrieben zu entsorgen. Da sie ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann, ist sie gezwungen, den nächstbesten Job als Tellerwäscherin in einer dubiosen Bar anzunehmen. Derweilen kämpft der Schweißer Holappa mit Alkoholproblemen und Depressionen.
Als sich die beiden introvertierten Außenseiter an einer Karaoke-Veranstaltung zum ersten Mal sehen, sind sie sich auf Anhieb sympathisch - aber zu schüchtern, um einander anzusprechen. Da braucht es schon eine zweite und eine dritte zufällige Begegnung, bis sie endlich ins Gespräch kommen und sich auf ein Kino-Date verabreden.
„Der Regisseur übertrifft damit sogar seine eigenen älteren Werke, von denen er sich hier unverkennbar hat inspirieren lassen. Eine wunderbar lakonische Romcom für einsame Introvertierte.“ (outnow.ch)
Cannes 2023, Jury Preis
Filmfest München 2023, Publikumspreis
Wir zeigen den Film in Zusammenarbeit mit der österreichisch-finnischen Gesellschaft Vorarlberg.
Hollywood
Österreich | 2022 | 27 min | Regie: Leni Gruber und Alex Reinberg
Auch wenn der Erfolg bislang auf sich warten lässt, die 26-Jährige Anna ist davon überzeugt, den Durchbruch als Schauspielerin zu schaffen. Bis dahin gibt sie das „Trainingsopfer“ für die örtliche Feuerwehr und versucht den Brotjob bei der Raiffeisenbank tunlichst zu vermeiden.
Die Weite suchen
Deutschland | 2015 | 30 min | Regie: Falk Schuster
Zwischen Volkspolizei, Grenzpatrouillen, Mangelwirtschaft und Strandidylle im ostdeutschen Urlauberparadies pendelt dieser Anima-Dokfilm, persönliche Erinnerungen und dokumentarisch aufbereitete Fakten verschmelzen zu einem im Zeichentrick animierten Reisetagebuch.
Über Wasser
Schweiz | 2021 | 12 min | Regie: Jela Hasler
Eine Stadt im Sommer. Die morgendliche Abkühlung im Fluss hält nicht lange an, die Hitze legt sich über die Stadt wie ein Vergrösserungsglas, unter dem vermeintlich nichtige alltägliche Belästigungen unvermittelt gewichtig werden. Eli versucht, der Enge und Hetze der Stadt zu entfliehen.
Eine Kooperation mit der stattcooperative und dem Honolulu Hotel
Das Haus der Sünde
FR, 2011 | 125 min | OmU | Regie: Bertrand
Paris, um 1900. Im Apollonide, einem luxuriösen Edelbordell, suchen Männer aus besseren Kreisen nach Zerstreuung und leben dort ihre Fantasien aus. Zwölf junge Frauen sollen ihnen nachts ihre Wünsche erfüllen. Die Mädchen sind schön, verführerisch und den Männern dienstbar. Tagsüber schlafen sie aus, leben bescheiden in ihren Wohnkammern und bereiten sich wieder auf die nächste Nacht vor. Unter dem strengen Regime von Madame haben es die Mädchen noch relativ gut. Aber die meisten sind bei ihr hoch verschuldet, und die Chancen auf ein normales bürgerliches Leben sind gering. Bei aller Lebensfreude und Solidarität untereinander sind die Frauen an das „Haus der Sünde“ gebunden. Ständig droht die Gefahr, sich mit der Syphilis anzustecken, und jeden Tag sind die Mädchen den Fantasien ihrer Freier ausgeliefert. So ist ein gemeinsamer Ausflug aufs Land ebenso selten wie befreiend. Die Mädchen träumen davon, aussteigen zu können, oder hoffen, dass einer der Kunden sie freikauft. Als die erst 15-jährige Pauline neu in das Haus kommt, brechen Spannungen auf. Auch die Politik mischt sich immer mehr ein: Mit Beginn des neuen Jahrhunderts sollen alle Freudenhäuser in Paris geschlossen werden. Auf einem von einer melancholischen Stimmung getragenen Maskenball nehmen die Prostituierten und ihre Stammkunden Abschied voneinander. Dabei gilt es auch noch, eine offene Rechnung mit einem der Freier zu begleichen…
Die 25-jährige Chloé hat ständig Magenschmerzen und ist überzeugt, dass psychische Probleme dahinterstecken. So landet sie in der Praxis von Psychotherapeut Paul, der die Behandlung jedoch nach einigen Sitzungen abbricht, weil er sich in seine Patientin verliebt hat. Chloé und Paul werden ein Paar, ziehen zusammen, die Magenschmerzen sind erst einmal weg.
„L’amant doubleist ein raffinierter erotisch-psychologischer Thriller, der sich trotz seiner eindeutigen Verortung in der Gegenwart anfühlt, als sei er in Wirklichkeit viel älter. Das mag gewiss an den sichtbaren Vorbildern Ozons liegen, die der Regisseur lustvoll zitiert." (Joachim Kurz, kino-zeit.de)
„François Ozon weiß genau, was er tut, und er weiß, dass auch sein Publikum das weiß. Wer mit so vielen Filmen spielt, mit all diesen Motiven und Bildern und Thriller-Klischees, muss garantieren können, dass das Spaß macht und nicht langweilt. Das kann François Ozon. Sogar auf der vulgärpsychologischen Ebene, auf der die Erklärungsmuster des Films angesiedelt sind, blitzen immer wieder Ironielichter auf, und dies, ohne den Film zur Parodie oder zum Klamauk werden zu lassen. (...) eine weitere Fingerübung des Mannes, der mit dem Kino zu spielen versteht wie ein Puppenspieler mit seinen Marionetten.” (sennhausersfilmblog.ch)
Das verflixte 3. Jahr
FR 2011 | 98 min | OmU | Regie und Buch: Frédéric...
Marc Marronnier, tagsüber ein von der Welt gelangweilter Literaturkritiker, abends ein scharfzüngiger und feierwütiger Gesellschaftskolumnist, lässt sich von seiner Frau Anne scheiden. Zu diesem Zeitpunkt ist er sich vollkommen sicher, dass wahre Liebe "das verflixte dritte Jahr" nie überdauern kann. Sogar ein Pamphlet hat er als Beleg seiner These geschrieben, allerdings unter Pseudonym. Als er auf einer Familienfeier der schönen Alice begegnet, gerät seine Überzeugung jedoch schwer ins Wanken …
Mit Das verflixte 3. Jahr bringt Frédéric Beigbeder, Bestseller-Autor (39,90) und enfant terrible der französischen Popliteratur, erstmals selbst als Regisseur einen seiner Romane auf die Kinoleinwand. Das in Das verflixte 3. Jahr zu sehende Ergebnis paart den visuellen Einfallsreichtum von „39,90“ mit der schwarzhumorigen Romantik eines „Auftragslovers“ und hat in seiner französischen Heimat bereits ein begeistertes Publikum gefunden.
Scheinbar haben alle ihren Platz gefunden: die 18-jährige Mati und ihre Burschenclique sind die Helden des Dorfes. Matis Eltern Gabriele und Paul stehen mitten im Leben und müssten bloß noch die letzten Arbeiten am Rohbau ihres Hauses abschließen.
Als Mati jedoch Carla kennenlernt, gerät alles ins Wanken. Die Begegnung mit dem selbstbestimmten Mädchen zeigt Mati, wer sie wirklich sein könnte: lebendig und offen und ganz anders als in ihrer kompetitiven, betont coolen Clique. Und dann verliebt sich Matis bester Freund Sebastian auch noch in sie und will, dass Mati endlich vom Kumpel zur Geliebten wird. Verliert Mati nun ihren Platz in der Männerrunde?
Währenddessen wird die Welt der Eltern ganz plötzlich erschüttert. Und schließlich stehen alle vor derselben Entscheidung: Was zählt mehr, Schein oder Sein?
Katharina Mückstein überzeugt einmal mehr als feine Seismografin gesellschaftlicher Wirklichkeiten – und wie bereits in ihrem Debütfilm Taleaerweist sich Shooting-Star Sophie Stockinger in der Rolle der Mati als Glücksfall für den Film.
Algier, 1938. Meursault, ein stiller, unauffälliger Angestellter Anfang dreißig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil. Am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit seiner früheren Kollegin Marie und kehrt in seinen gewohnten Alltag zurück. Dieser wird jedoch bald durch seinen Nachbarn gestört, der Meursault in seine zwielichtigen Machenschaften hineinzieht – bis es an einem heißen Tag am Strand zu einem schicksalhaften Ereignis kommt.
Mit seiner meisterlichen Neuinterpretation von Albert Camus’ gleichnamigem Literaturklassiker gelingt François Ozon ein virtuoses Werk von zeitloser Relevanz. In betörenden Schwarzweißbildern, erzählt und getragen von einem erlesenen Ensemble, markiert der Film einen künstlerischen Höhepunkt in Ozons vielschichtigem Oeuvre. Der Fremde feierte seine umjubelte Weltpremiere im Wettbewerb der 82. Internationalen Filmfestspiele von Venedig.
„Eine kühle Literaturverfilmung, die durch die bestechenden Schwarzweißbilder und den genau kontrollierten Erzählrhythmus große Intensität entwickelt." (film-netz.com)
Lumiere Award 2025: Bester Film, Bester Schauspieler und Beste Kamera
Medienpartner: Stadt Bregenz, Stadtbücherei Bregenz, Literaturhaus Vorarlberg, Volkshochschule Lindau (Bodensee)
Frühstück bei Monsieur Henri
FR 2015 | 98 min | OmU | R: Ivan Calbérac
Monsieur Henri ist ein mürrischer alter Herr und stolz darauf. Er lebt allein mit einer Schildkröte in einer viel zu großen Pariser Altbauwohnung und ärgert sich – über die Ehefrau seines Sohnes, die jungen Leute von heute oder was sonst so anfällt. Doch weil Henris Gesundheit letzthin etwas nachgelassen hat, beschließt sein Sohn Paul, dass es Zeit wird für eine Mitbewohnerin. Mit der chronisch abgebrannten Studentin Constance kommt ihm eine junge Dame ins Haus, die all das hat, was Henri auf den Tod nicht leiden kann, die seine Pantoffeln klaut und unerlaubt das Klavier benutzt. Weil sich Constance die Miete eigentlich nicht leisten kann, bietet Henri ihr ein skurriles Geschäft an: wenn sie es schafft, seinem Sohn Paul so lange schöne Augen zu machen, bis der seine Ehefrau verlässt, ist die Miete umsonst. Mehr übel als wohl willigt Constance ein. So stolpert der ahnungslose Paul in seinen zweiten Frühling und Constance in eine schrecklich nette Familie, die dank Monsieur Henri heillos im Chaos versinkt. (kino.de)
„Mit französischer Leichtigkeit und der zündenden Chemie zwischen dem französischen Altstar Claude Brasseur und der schweizerischen Newcomerin Noémie Schmidt gelingt eine leichte, dialogreiche Komödie, die charmante Unterhaltung bietet.”(programmkino.de)
Cabourg Film Festival 2015, Beste Schauspielerin
Internationales Filmfest Emden-Norderney, Publikumspreis
Frankreich 1963. Die junge Studentin Anne wird nach einer kurzen Affäre, die keine Zukunft hat, schwanger. Ihre einsame Entscheidung zu einer Abtreibung ist gefallen. Mit einem Kind wäre Annes Wunsch nach einer selbstbestimmten Zukunft unmöglich. In dieser Zeit ist es jedoch nicht einfach, das Recht auf einen Abbruch durchzusetzen. Die Ärzte berufen sich auf die Gesetzte und bieten der jungen Frau keinerlei Hilfe. In ihrer tiefen Not lässt Anne nichts unversucht, auch wenn sie dabei mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben spielt.
„Das Drama konzentriert sich ganz auf die Situation der Protagonistin und schildert beklemmend intensiv deren Dilemma, entweder das soziale Stigma einer ledigen Mutter oder aber das Risiko einer illegalen Abtreibung in Kauf nehmen zu müssen. Das enge Bildformat und das intensive Spiel der Hauptdarstellerin vermitteln nahezu körperlich die Zwangslage.“ (Filmdienst)
Filmfestspiele Venedig 2021, Goldener Löwe
Viennale 2021, Eröffnungsfilm
In Kooperation mit Buchhandlung Rapunzel, Stadtbücherei Bregenz, Buchhandlung Brunner, Vorarlberger Landesbibliothek, Stadt Bregenz Fachbereich Frauen & Gleichstellung
Der Aufsteiger
FR, BE 2011 | 112 min | OmU | Regie und Buch: Pierre...
Ein Mann steht vor dem Spiegel und streicht sich langsam Eiswürfel über das Gesicht. Er sagt zu sich selbst, aber laut: „Wir werden hungrige Tiger sein in dunkler Nacht.” Es ist Bertrand Saint-Jean, Verkehrsminister der französischen Republik. Eben hat man ihn mitten in der Nacht aus schweren Träumen geweckt. In den Ardennen ist ein mit Kindern besetzter Bus eine Böschung hinabgestürzt. Es gibt über zehn Tote, der Minister wird an den Unfallort gerufen, denn er muss Emotionen zeigen, Mitleid bekunden und zugleich auch klar machen, dass die französischen Behörden gut arbeiten. Wenn die Presse ausreichend bearbeitet wurde, kann er den emotionalen Kredit gleich nutzen, um die Privatisierungspläne seines Konkurrenten, des Finanzministers, abzuwehren.
Selten nur werden Politiker in europäischen Filmen zu Hauptpersonen, zu Figuren, die wirken, als ob sie einem Shakespeare-Drama entstiegen wären. Genau das aber macht jetzt der Franzose Pierre Schoeller. In L'exercice de l'état porträtiert Schoeller einen französischen Verkehrsminister. Die Politik bildet hier nicht nur den Hintergrund eines privaten Dramas, sondern steht im Zentrum: der Alltag der demokratischen Macht, ihre Hinterzimmer und Rednerpulte.
Französischer Kritkerpreis 2012 | Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI) Cannes 2011 – Un certain regard | Französischer Fimpreis: Bestes Buch, Bester Nebendarsteller
Bühnenprofi Tatischeff versteht die Welt nicht mehr - und wir reiben uns ob dieses witzig-melancholischen Animationsfilms die Augen. Sylvain Chomet (Das große Rennen von Belleville) gelingt das Kunststück, eine verschollene Filmidee von Jacques Tati ins Kino zu zaubern: Monsieur Tatischeff, Magier aus Paris, verlegt sein Aktionsfeld mangels Arbeit auf die britische Insel, erlebt dort ziemlich verrückte Abenteuer und trifft auf eine Frau, die sein Leben für immer verändern wird...
Mit typischen Tati-Elementen wie Slapstick und subtilem Humor überzeugt Der Illusionist in einer großartigen visuellen Umsetzung. polyfilm
Europäischer Filmpreis 2010: Gewinner - Bester Animationsfilm
Golden Globes 2011: Nomination Bester Animationsfilm
New York Film Critics Awards 2010: Bester Animationsfilm
National Board of Review 2010: Spotlight Award
BFCA Critics' Choice Movie Awards 2011: Nomination Bester Animationsfilm
International Press Adacemy - Satellite Awards 2010: Nomination Bester Animationsfilm




















































































