Filmforum Archiv
Es gibt einen Ort in Wien, wo man das Zusammenleben studieren und erlernen kann. Unter dem Schirm der Stadt Wien wurden Module entwickelt, um geflüchteten Menschen, aber auch generell Neuzugezogenen eine Orientierung in der Stadt zu erleichtern: Der Alltag soll sich selbstbestimmt gestalten lassen, mithilfe von Geflüchteten als Expertinnen und Experten.
Der Filmemacher Thomas Fürhapter durchpflügt, mit Judith Benedikt und Klemens Koscher an der ruhigen Kamera, das Kursprogramm, hört den Menschen beim Erarbeiten von Lösungsansätzen zu und blick vor allem mit Hingabe in Gesichter.
„Zusammenleben blickt sehr genau hin. Durch einen konsequenten minimalistischen Stil und die örtliche Begrenzung erhalten wir einen tiefen Einblick: Welche Informationen und Werte werden in diesen Kursen vermittelt? Und wie werden sie von den Migrant*innen aufgenommen?“ (Dokfilmfest München) (Filmladen)
Medienpartnerschaft mit okay. zusammen leben und der Stadt Bregenz
Sommer 1984, ein bayerisches Gasthaus am See: Der Wirt und Bauer Pankraz und sein erwachsener Sohn Semi haben soeben Pankraz‘ Frau und Semis Mutter Theres zu Grabe getragen, der Leichenschmaus ist vorbei, die letzten Gäste sind gegangen. Zusammen sitzen sie in ihrer Gaststätte und lassen, von den Umständen zur Gemeinsamkeit gezwungen, die Vergangenheit Revue passieren. Sie unterhalten sich über die beiden Weltkriege, über die Besatzung durch die Alliierten, über den geschäftlichen Aufschwung während der Wirtschaftswunderjahre, den Kalten Krieg und die Studentenunruhen. Dabei leisten ihnen zwei Herren im Anzug Gesellschaft die Vater und Sohn zwar unbekannt sind, ihnen aber gleichwohl als Stichwortgeber dienen…
"Der Schauspieler, Autor und Regisseur Josef Bierbichler ist eine bayerische Größe. Mit seinem Roman Mittelreichhat er die eigene Familiengeschichte zu verarbeiten versucht. Nun wagt er sich auch an die Verfilmung, spielt mit und inszeniert.“ (br)
Südtirol, 1961. Die norditalienische Region wird durch eine Serie von separatistischen Bombenanschlägen erschüttert. Während der junge Bauernsohn Paul der Perspektivlosigkeit seines Dorfes entkommen und Malerei studieren will, kämpft sein älterer Bruder Anton kompromisslos für den Schutz der deutschsprachigen Minderheit – notfalls mit Gewalt. Nachdem Anton als einer der Attentäter enttarnt wird, flieht er und lässt Hof und Familie zurück. Widerwillig verschiebt Paul seine eigenen Pläne, um Antons Frau Anna und ihren kleinen Sohn zu unterstützen. Während die Lage eskaliert und die italienische Polizei hart durchgreift, beginnt Anna sich zunehmend gegen die patriarchalen Strukturen ihres Umfelds zu wehren. Paul hingegen muss sich entscheiden – zwischen familiärer Loyalität und persönlicher Selbstverwirklichung.
„(...) ein bewegendes Familiendrama vor dem Hintergrund der Südtiroler Separatistenbewegung und eine eindrückliche Reflexion über politische Gewalt und ihre Folgen. Michael Kofler gelingt ein feinfühliges Familienporträt, das eine persönliche Geschichte zweier Brüder überzeugend mit einem historischen Konflikt verwebt.“ (filmstarts.de)
Medienpartnerschaft: Verband der Südtiroler in Vorarlberg
Was ist der kürzeste Weg vom argentinischen Entre Ríos zur chinesischen Metropole Shanghai? Er führt mitten durch die Erde, immer geradeaus. Die beiden Orte sind Antipoden. Sie befinden sich geografisch exakt auf der gegenüber liegenden Seite des Erdballs. Insgesamt acht solcher Gegenpole bereiste der preisgekrönte Dokumentarfilmer Victor Kossakovsky und fand dort Bilder, die unsere Sicht der Dinge buchstäblich auf den Kopf stellen. Einen wunderschön friedlichen Sonnenaufgang in Argentinien, im Gegenschnitt die Hektik in den verregneten Straßen von Shanghai. Menschen, die in der Einöde leben oder neben einem aktiven Vulkan. Landschaften, deren Pracht die Seele berührt und auf der anderen Seite der Lärm einer Großstadt. Diese Antipoden, so der Eindruck, stehen in einer mystischen Verbindung zueinander, selbst Gegensätze vereinen sie. Kossakovsky ist mit seinem Film ein Fest für die Sinne gelungen, ein faszinierendes Kaleidoskop über unseren Planeten. ¡Vivan las antipodas! – Es leben die Gegenpole!
Nominiert für den europäischen Filmpreis als Bester Dokumentarfilm 2011
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